New year, old me? / Reflexion

Wirklich schlimm steht es doch erst dann um die Menschheit, wenn wir anfangen, uns an unsere Neujahrsvorsätze auch noch zu halten. Wenn wir wirklich damit beginnen, uns maßlos selbst zu optimieren. Höher, schneller, weiter. Pünktlicher, ordentlicher, sportlicher, salat-essender, geduschter, gebügelter, gestriegelter, gefickter. Tiefer, langsamer, kürzer. Entschleunigter, achtsamer, routinierter, entspannter, massierter, gedetoxter, akzeptierender. Aber das alles wirklich erst ab dem 01.01.! Nicht, dass noch jemand in die Bredouille kommt, sofort das zu ändern, was immerhin so unwichtig scheint, dass man noch mindestens bis zum Anfang des nächsten Jahres damit warten kann. Nimm Dir ruhig vor, Dich selbst besser kennen zu lernen, Dich selbst zu finden, um Dich dann zu optimieren oder eben gerade nicht zu optimieren, was wiederum auch ein Vorgang des Optimierens ist. Wenn es ein Neujahresvorsatz ist, ist es Dir vielleicht einfach nicht wichtig genug. Macht aber auch nix.

Statt Dir vorzunehmen, Dich im nächsten Jahr wirklich mal mit Dir selbst auseinanderzusetzen, schau doch einfach mal auf das vergangene Jahr zurück, frage Dich, was in diesem Jahr funktioniert und was nicht. Was gut war und was nicht. Was Du getan hast und was nicht. Und: Warum Du etwas getan hast und andere Dinge nicht? Warum Du Dinge eben so beurteilst, wie Du sie beurteilst und warum nicht anders. Warum Du so bist, wie Du bist. Und wie und wer Du eigentlich überhaupt bist. Das muss man nämlich erst einmal herausfinden, wenn man sich weiterentwickeln und nicht eine 2.0 Version von sich erstellen will. Wer bin ich? Wie bin ich? Bin ich eins oder bin ich mehrere? Bin ich eine Kombinationen aus miteinander harmonierenden Eigenschaften, die manchmal schräge Melodien spielen? Bin ich von allem etwas und von manchem mehr? Oder von vielem gar nichts und von wenig viel? Kommen mein Verstand und mein Herz beide ausreichend zu Wort? Bin ich mutig? Bin ich verkopft? Bin ich lustig? Bin ich träge? Bin ich wage? Bin ich sicher? Bin ich hier? Bin im gestern oder im heute? Bin ich im morgen oder in der Nacht? Bin ich ich? Und WTF ist ich?

Ich habe mich in den letzten Jahren, glaube ich ganz gut selbst kennen gelernt. Ich weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Ich weiß, was ich an mir mag und was mich stört. Ich weiß, was ich an anderen Menschen mag und was nicht. Ich weiß, wie meine Stimme klingt und wie ich aussehe, wenn ich absolut authentisch lache. Ich kenne meine verschiedenen Rollen, die mich trotzdem ein Ganzes sein lassen und ich weiß, wann welche von ihnen dran ist. Ich weiß, wann eine neue Rolle dazukommt und eine alte geht. Ich weiß, wie ich gehe und wie ich tanze. Ich weiß, wer ich bin und wer ich gerne sein möchte und wie das zusammenpassen kann.

Nein, ich weiß nicht alles über mich und ich selbst sehe mich ja auch nur durch meine eigene Brille und durch die, von denen ich denke, das andere sie tragen. Es gibt kein Beweis. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt kein „SO bin ich.“ Ich glaube, man lernt sich immer weiter selbst kennen, manchmal auch neu, weil das, was uns leben lässt, Veränderung ist. Sekunde für Sekunde. Und vielleicht klingt das eingebildet, aber manchmal habe ich das Gefühl, mich endlich selbst zu mögen. Nicht jede Sekunde, auch nicht jede Minute oder jeden Tag, aber immerhin so oft, dass es reicht, um es zu bemerken. Das funktioniert aber richtig aufrichtig erst, seitdem ich mich selbst mit etwas Abstand genauer betrachten kann, mir meiner Stärken und Schwächen bewusst bin und weiß, dass die Stärken die ein oder andere Schwäche kompensieren können. Das was uns vollkommen macht sind Stärken und Schwächen – nicht eines von beiden. Vielleicht müssen wir beide erkennen, um ein ausgeglichenes Ganzes sein zu können. Klingt ein bisschen wie so pseudo-religiöses Gefasel. Aber hier gibt’s weder einen Guru, der Dich zur Erleuchtung bringt, noch habe ich selbst die Weisheit mit Löffeln gefressen. Also nur nicht, weil ich generell lieber mit Messer und Gabel esse. Was ich sagen will ist, ach, ich weiß auch nicht ganz genau, was ich hiermit sagen will. Aber ich glaube, Du kannst erst etwas wirklich sinnvoll verändern, wenn Du Dir selbst lange genug zugeschaut und zugehört hast und weißt, wer Du in diesem Moment gerade bist und wer nicht und welcher Teil von Dir wohlmöglich (wer weiß) konsistent ist und welcher nicht und welche Anteile von (oder in) Dir, Du selbst begrüßt und welche nicht und warum Du einige nicht begrüßt, aber trotzdem anerkennst, dass sie da sein dürfen. Und dann kannst Du versuchen, die (An-)Teile, die Du an Dir magst auszubauen. Das ist alles, glaube ich zumindest.

P.S. Ich habe keine Ahnung, wo diese Gedanken auf einmal herkamen. So gut kenne ich mich jetzt dann auch wieder nicht. Schätze ich bin wohl kurz in meinen Writer-Modus verfallen und nun wieder daraus erwacht. Oder so.

New year, old me? / Reflexion

Dir hat der Beitrag gefallen oder Du hast konstruktive Kritik für mich?! Lass mir gerne einen Kommentar da!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s