Jeder ist seines Glückes Schmied

Hey guys, what´s up? I´ve been sooo busy the last weeks…you know!? It was kinda like, you know..

Ok, Scherz. Bin wieder da. Hatte viel zu tun. Richtig viel. Aber nicht zu viel. Es gibt ja oft einen sehr schmalen Grat zwischen „Stress, den ich brauche, um überhaupt was gebacken zu kriegen“ und „zu viel zu tun, kurz vorm emotionalen breakdown“. Und jetzt alle so „Boar, Wiebke! Das heißt doch „GraD“! Nicht mal Rechtschreibung kannst Du!“. Und ich so richtig besserwisserisch (versuch das mal auszusprechen :D) „Ne, das heißt wirklich GraT“. Und Du so, nachdem Du das Ganze erstmal gegoogelt hast, „Kommentar löschen“. Hoffentlich hat es niemand bemerkt.

So: Auffi geht´s mit einem Text, den ich schon vor Ewigkeiten mal geschrieben habe. Hoffentlich habe ich den hier nicht schon einmal veröffentlicht, wäre etwas peinlich. Aber schon auch witzig…

Angebot

Donnerstag um 07:57 Uhr vor einem kleinen Discounter in einer kleinen norddeutschen Stadt. 20 Senioren, ein Mann Ende 30 und Claudia. Heute starten die neuen Angebote der Woche. Nur so lange der Vorrat reicht natürlich. Dieser Satz scheint bei Senioren irgendetwas auszulösen. Bewaffnet mit Gehstöcken und künstlich eingesetzten, scharfen Ellenbogen machen sie sich alle auf den Weg, um pünktlich um 08:00 Uhr anzugreifen. Und mittendrin: Claudia.

Erst fühlt Claudia sich überlegen – des jungen Alters und der flotten Bewegungen wegen. Aber schnell stellt sie fest: Langjährige Erfahrung und Ellenbogen, die nur für diese kämpferischen Seniorenkörper hergestellt wurden, lassen ihre straffe Haut nutzlos erscheinen. 07:59:50 Uhr. Der erste Mitarbeiter wird auf dem Gang entdeckt. Er schleicht zur Tür. Bekleidet in einem Kittel und Schonern, wie sie die Kinder beim Inliner-Fahren tragen. Sein Blick ist verzweifelt und müde. Er weiß, was gleich auf ihn zukommen wird. Langsam öffnet er die Tür. Wortlos. Er sagt nicht einmal guten Morgen. Schnell wird klar, dass er die Meute vor der Tür nicht hereinbitten muss, da die 20 Menschen, die das Internet für nicht zukunftsfähig halten, direkt hineineilen und ihn dabei umrennen. Gut, dass er die Schoner trägt. Safety first. Der andere Mann schüttelt den Kopf und folgt dem wildgewordenen Rentnerrudel. Verlegen schlurft Claudia hinter der Meute her, reichtdem Mitarbeiter die Hand und hilft ihm vom Boden auf. „Daaa…daaa..daanke, junges Mädchen!“, stottert er und rennt weinend in einen Lagerraum. Wahrscheinlich sitzt dort eine Psychotherapeutin in einer der Bananenkisten und bietet eine Eye-Movement-Traumatherapie für traumatisierte Mitarbeiter an. Dieser Job – er wird sie alle kaputt machen.

Die Seniorenbande stürzt sich auf die 10 Verpackungen Diabetes-zum-Mitnehmen. Zwei Frauen Ende 70 zanken sich um die letzte Verpackung. Aber schnell rennt die eine mit der Diabetes weg und die andere bekommt eine blutige Nase. Hoffentlich bezahlt sie die. Weitere 9 Rentner greifen nach Inkontinenz. Wer kauft denn die Scheiße?

Die 20., eine etwa 75jährige Dame, greift nach einer Packung Bandscheibenvorfall. Dann bezahlen sie und verlassen das Geschäft. Warum die wohl alle so wild auf Diabetes sind? Ist doch ein sauteurer Spaß. Claudia schnappt sich eine Packung Angststörung und geht zur Kasse. Vor ihr steht der Mann von vorhin. Er kauft eine Flasche Bier, Erdnüsse und eine Packung Multiple Sklerose. Er fragt Claudia, ob sie nicht vorgehen will, weil sie ja nur diese eine Packung Angststörung hätte, aber Claudia bedankt sich und sage ihm, dass sie genug Zeit habe und er seine Multiple Sklerose ruhig erst bezahlen könne. Sie würden ja beide lange genug mit ihrem Einkauf beschäftigt sein – da kommt es auf die paar Minuten auch nicht mehr an, oder? „Sammeln Sie Treuepunkte?“, fragt die verschwitzte Verkäuferin den MS-Menschen. Claudia war MS ja lieber als SM. „Ab 30 Punkten gibt es tolle Prämien. Depressionen, Tuberkulose, oder extra für Manager:Burnout!“, fügt sie hinzu. Der Mann nickt. „Wer weiß, ob ich die nicht nochmal brauchen könnte. Ist ja nicht weg, so eine Tuberkulose!“, antwortet er und steckte die fünf Aufkleber in sein Portmonee. Claudia bezahlt ihre Angststörung und bittet darum, sie mal kurz zu prüfen. Schließlich kann man in die Pappverpackung nicht hineinschauen und sie will sichergehen, dass sie vollständig ist. Bei der Frage nach den Treuepunkten schüttelt sie dann heftig mit dem Kopf. „Ich muss hier raus! Es ist so heiß hier!“, schreit Claudia und rennt zitternd aus dem Supermarkt. Sie ist zufrieden mit ihrem Einkauf. Am Ausgang riecht es nach Insulin und Pisse. Da müssen die Marktleiter sich was einfallen lassen. Wenn sie Diabetes und Inkontinenz verkaufen, dann müssen sie doch dafür sorgen, dass die Leute nicht schon anfangen das Ganze im Geschäft auszupacken.

Mittlerweile verkaufen die im Discounter aber auch schon alles. Angefangen hatten sie mit ein paar Krankheiten wie starken Erkältungen oder Magen-und-Darm-Grippen. Die liefen natürlich unglaublich gut, weil man sie nutzen konnte, um nicht zur Arbeit gehen zu müssen. Die Menschen konnten sich damit quasi freikaufen. Dann waren sie auf stärke Krankheiten umgestiegen. Egal ob körperlich oder seelisch – nichts war unmöglich! Natürlich mussten sie auch einen angemessenen Preis dafür zahlen. Aber besser teuer als nicht zu bekommen, oder?

Die Oma von Claudias bester Freundin hatte sich vor Kurzem, ebenfalls im Sonderangebot natürlich, das Messi-Syndrom gekauft. Wenn sie das im Discounter verkaufen, dann stellen die Angestellten den Müllcontainer immer extra neben die Tür. So schnell werden die ihren Mist ja nie wieder los! Ganz schön berechnend unsere Supermarktfreunde. Aber so ist das nun mal. Die Menschen entscheiden sich ja selber diese Dinge zu kaufen und dann müssen sie schließlich auch mit den Konsequenzen leben. Es hatte sie ja niemand gezwungen den Kram zu kaufen. Allerdings war es verboten, diese Sachen zu verschenken. Man konnte also nicht einfach eine Packung MS kaufen und sie der Nachbarin zu Weihnachten schenken. Das wäre auch noch schöner: Dann würden die Leute ja alle behaupten, sie könnten überhaupt gar nichts dafür. „Ich kann ja nichts dafür, dass ich MS habe! Ich kann ja nichts dafür, dass ich angstgestört bin! Ich kann ja nichts dafür, dass ich Diabetes habe!“

Jeder ist seines Glückes Schmied!


Und jede ist ihres Glückes, äh,  Frau vom Schmied.. oder so…..

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Jeder ist seines Glückes Schmied

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