Das Moralmonster

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Bevor wir uns dem Inhalt dieses Beitrages genauer widmen, lasst uns eine Minute nehmen,  um das absolut atemberaubende künstlerische Können, dessen Ergebnis Ihr hier auf dem Bild betrachten könnt, wertzuschätzen (59,58,57,56…)! Ich mein: Schaut Euch diese fabulösen Wimpern im Stile eines etwas anders gezwirbelten Ingo-Lenßen-Bartes (Die Autokorrektur möchte unbedingt „Ingo-Lenden-Bartes“ daraus machen…) an. Ich muss mich an dieser Stelle wirklich einmal selbst loben: Dieses Werk übertrifft jegliche meiner bisher gezeigten Kompetenzen! Das Moralmonster im Stile eines „Drittklässler-lernen-die-Benutzung-von-Paint“-Werkes ist die Verkörperung des Zeitgeistes dieser Epoche und wird schon in einigen Jahrzehnten prototypisch für das Wirken von Künstlern_Künstlerinnen wie mir stehen. Und ja, liebe Autoren_Autorinnen der Geschichtsbücher von morgen, ich nehme es mir heraus mich eine wahre Künstlerin dieser Zeit zu n….

Okay, okay, ich hör schon auf. (Aber das Abbild des Moralmonsters ist schon gut, oder? Vielleicht versuche ich mich morgen an einer passenden Büste..). Jetzt zum eigentlichen Thema dieses Beitrages, nämlich DEM MORALMONSTER (grrrrrhhrhrhrhrhrhrhr…..)!

Vorab: Das hier ist nur mein Gedankenfluss zum Moralmonster. Es ist nicht uneingeschränkt anwendbar. Wenn Du zum Beispiel meinst, es sei ok, ein Kind zu heiraten, dann ist Dein Moralmonster unter Umständen kaputt gegangen, weil Du es manipuliert hast und nicht weil Du es verstanden hast. Das sollte jetzt nur ein Beispiel sein. Was ich sagen möchte: Lege die Metapher des Moralmonsters nicht total auf die Goldwaage. Sie soll nur etwas veranschaulichen. 

Das Moralmonster, eigentlich ein nettes und sinnvolles Wesen, lebt in Deinem Kopf. Also nicht nur in Deinem, sondern in beinahe allen Köpfen. Jede_r von uns hat ihr_sein eigenes Moralmonster und wie gesagt, das ist eigentlich super sinnig und liebenswert. Eigentlich. Denn seit seiner Geburt befindet sich das Monster in einer, sagen wir, niemals endenden Fressattacke. Es frisst die Moralvorstellungen Deiner Umgebung. Die Vorstellungen darüber, was ok ist und was nicht. Die Vorstellungen darüber, was Du essen darfst, denken darfst, sagen darfst und machen darfst. Ein Maßstab für Dein Verhalten sozusagen, eigentlich sogar für Dein Denken, für Dein Erleben. Das Ding ist, dass dieses verfressene Etwas Dich nie gefragt hat, ob Dir das, was es frisst, auch schmeckt. Jetzt sitzt es da in Deinem Kopf, kugelrund und ab und zu laut rülpsend, und wartet darauf, dass Du etwas machst oder denkst, was den Verdauungsbrei in seinem Körper zum Gurgeln bringt. In seinem Magen fängt es also fürchterlich an zu grummeln, wenn Du etwas machst, was ihm nicht passt. Eigentlich ist das ja auch ganz gut: Überlegst Du gerade Deine Chemielehrerin zu vergiften und sie dann in ein Periodensystemposter zu wickeln, dann kommt das Moralmonster und schimpft, weil es absolut böse ist seine Lehrerin zu vergiften (und in ein Periodensystemposter zu wickeln). Und weil es absolut böse und dazu auch noch verboten ist überhaupt irgendjemanden zu töten (und in ein Periodensystemposter zu wickeln). Also findest Du Dich damit ab, dass Du weiterhin ständig in einer schlechten Breaking-Bad-Nachmache gefangen bist und hoffst, dass die Frau mit der Schutzbrille wenigstens mal auf die Idee kommt mit Euch eine Rund Meth zu kochen. Wie auch immer. Das Moralmonster erfüllt seinen Zweck. Du lässt andere Menschen leben. Natürlich weil Du Töten ablehnst und das Recht auf ein freies Leben anderer Menschen akzeptierst und nicht, weil Du einfach keinen Bock hast, 15 Jahre neben ehemaligen Meth-Dealern aka. Chemielehrkräften im Knast zu sitzen.  Du hast also durch das immer futternde Moralmonster gelernt, dass Du anderen Menschen ihre Freiheit und ihr Leben lässt, weil Du ja auch nicht wollen würdest, dass Sie Deines negativ beeinflussen. Du versuchst auch wenig zu lügen und zu betrügen, weil Du durch Egoismus sowohl einzelnen Menschen als auch der Allgemeinheit schaden könntest. Das ist der sinnvolle Teil des Moralmonsters. Schließlich müssen wir uns auf einen Grundkonsens einigen, damit wir uns nicht alle gegenseitig  betrügen oder gar abschlachten. Vermutlich nicht, weil wir so gute Menschen sind, sondern weil wir befürchten würden, selbst in Gefahr zu sein. Aber wie auch immer. So weit, so gut.

Jetzt gibt es aber ein Problem. Das Moralmonster hat wirklich viel gefuttert und hat da eben auch ein paar Sachen runtergeschluckt, die es nicht hätte fressen müssen, um ein gutes Moralwesen zu sein. Das geht von A wie Analsex bis Z wie Zerstörungsgedanken. Jetzt bist Du also gerade von Mutti oder Vati genervt und denkst Dir „Boahr! Wär auch schön, wenn sie_er nicht existieren würde!“. Und das Moralmonster so: „Moment! Das darfst Du doch nicht denken! Scheiß auf das mit dem Ödipuskomplex! Du kannst sie_ihn doch nicht gedanklich töten oder weg wünschen. Das denkt man nicht!“. Und Du in der nächsten Sekunde so: „Moment! Ich darf das nicht denken! Das ist böse! Ich bin böse!“. Dabei ist der Gedanke doch einfach so reingehuscht, ohne anzuklopfen und zu fragen, ob er reinkommen darf. Du kannst zwar dafür sorgen, dass er flott wieder abhaut, aber dafür, dass er reingekommen ist, kannst Du nun wirklich nichts. Außerdem hast Du ja auch nicht wirklich einen Mord geplant oder wünscht ihnen wirklich den Tod (Und Freud so: „Jaja, und da ist ja auch noch die Sache mit dem Ödipuskomplex! Das möchte ich wirklich noch mal erwähnt wissen!“. Und ich so: „Na siggi, Siggi!) und außerdem ist da ja auch noch die Sache mit dem Ödipuskomplex. Das Moralmonster mischt sich also in Gedanken ein, für die Du gar nichts kannst und macht Dir ein schlechtes Gewissen, obwohl Du in Wirklichkeit überhaupt gar nichts gemacht hast. Naja, außer zu denken halt. So ist das auch mit anderen Gedanken. „Du hast Dir gerade vorgestellt wie schön es wäre, wenn der Freund Deiner Cousine endlich mit ihr Schluss machen würde, nur damit Du ihn haben kannst! Was bist Du nur für ein Mensch! Und hast Du gerade wirklich an einen Dreier mit Deinem besten Freund und der Frau hinter der Fleischtheke gedacht? Bitte? Sex? Mit einem Mann? Und mit einer Frau? Und das quasi gleichzeitig? Du weißt, was ich davon halte!“ – „Aber wenn die beiden es auch wollen, dann ist es doch ok, oder? Ich schade ihnen doch nicht?!“ – „Das ist böse! Böse! Böse! Böse! Unmoralisch und böse! Du hast das sogar gemacht?! Schäm Dich! Eine Schande bist Du! Du solltest Dein Verhalten überdenken!“ Da kommt der Punkt, wo das Moralmonster nur noch so semi-sinnvoll ist. Es meckert über Handlungen und Gedanken, die es irgendwann mal gefressen hat, aber die eigentlich vielleicht gar nicht so unmoralisch sind, wie sie erst einmal klingen. Warum sollte es schlimm sein, auch mal böse Gedanken zu haben? Solange sie nicht Dein Leben oder Dein Handeln bestimmen, sind sie unter Umständen ja ganz normal. Solange sie kommen und Du sie einfach wieder ziehen lassen kannst. Und warum sollte es schlimm sein, Handlungen auszuführen, die in Wirklichkeit einvernehmlich sind? Warum sollten sie tabu sein?

Und das Moralmonster so „Äh? Hat sie das gerade wirklich gesagt?“. Und ich so „Ja, habe ich!“. Was ich sagen will, ist: Du darfst Moralvorstellungen in Frage stellen. Denn nur weil Du und Dein Moralmonster an manchen Stellen mal in einen Konflikt geraten, heißt das nicht, dass Du ihm immer stillschweigend folgen musst. Du darfst gegen gewisse Moralvorstellungen Deiner Umgebung handeln, solltest Dir aber bewusst sein, dass das bei Deinen Mitmenschen und deren Moralmonstern unter Umständen nicht immer auf Gegenliebe trifft. Eigentlich meint es Dein Moralmonster gut mit Dir, aber gut gemeint ist eben manchmal das Gegenteil von gut. Lass Dir nicht sinnlos ein schlechtes Gewissen machen! Nicht für absolut menschliche Dinge. Nicht für Dinge, die niemandem schaden.

Mein Moralmonster hat sich jetzt Kopfhörer aufgesetzt und hört „Die Gedanken sind frei.“, aber vielleicht dauert es noch ein bisschen bis es die Message verstanden hat.

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