Alltagsgeschichten #1 alias „Wie man ein normales Ereignis dramatisch wirken lässt!“

Fliege

Ich sitze auf einer Bank vor einem Haus und warte auf jemanden. Vor mir ist ein Parkplatz. In der Nähe ist eine Grundschule und die Kinder haben gerade Schulschluss. Wo genau ich war und auf wen ich gewartet habe usw. wird nicht beschrieben. Das Ganze bekommt so direkt eine geheimnisvolle Note. Es kommt ein Mann in einem schwarzen Porsche angefahren. Ob er stolz ist, dass sein Auto unheimlichen Lärm macht, wenn er „normal“ fährt? Der Mann steigt wortlos aus und geht weg. Auf einmal geht – wie aus dem Nichts!!! –  die Alarmanlage des Autos an. Ich bin die einzige Person weit und breit, aber ich habe überhaupt nichts gemacht. Hilfe! Alle werden denken, ich hätte versucht, das Auto aufzubrechen. Weil ich ja unbedingt einen Porsche möchte! Ich kann mir kein schöneres Auto vorstellen! Weiß auch jeder! Außerdem werde auch ich damit problemlos in jede Parklücke fahren können. Wirklich! Und ich mache ja auch echt einen gefährlichen Eindruck! Viele Menschen halten mich für eine Autodiebin! Würde ich mir selbst begegnen, dann würde ich gegebenenfalls sogar die Straßenseite wechseln. Der Mann kommt und kommt nicht wieder. Ich warte eigentlich schon darauf, dass andere Leute aus ihren Häusern hinausstürmen und nachschauen, was da los ist. So eine Alarmanlage macht nämlich echt Radau. Ach, was? Gut, Wiebke, das ist Sinn der Sache! Dann rufen die Leute bestimmt die Polizei und weil es keine Menschen gibt, die bezeugen können, dass ich das Auto gar nicht berührt habe, werde ich bestimmt in den Knast kommen. 

Es passiert aber nichts. 

Irgendwann (nach einer gefühlten ¾- Ewigkeit!) kommt der Mann zurück. Tipp: Übertreibe mit allem! Eine 1/2 – Ewigkeit ist Standard! Eine 3/4-Ewigkeit ist richtig lang! Sieht eigentlich ganz entspannt aus. Zumindest entspannter als ich. Der kennt das wahrscheinlich schon, dass die Alarmanlage im Prinzip grundlos angeht. Falscher Alarm und so weiter. Wie gesagt: Ich bin die einzige Person weit und breit.

Der Mann beruhigt sein Auto wieder (Das „beruhigt“ verwende ich als Stilmittel. Es wirkt schlimmer, wenn das Auto personifiziert wird. Die Verwendung dieses Wortes hat nichts damit zu tun, dass ich keine Ahnung habe, wie genau er die Alarmanlage ausgemacht hat!……), schaut mich an und sagt: „Da hat sich wohl ´ne Fliege verirrt!“ – „Ja.“, antworte ich, während der Mann wieder weg läuft. Haha, ja bestimmt. Als ob: „Hat sich verirrt.“ Die wollte das Auto sicher klauen! Dumme Fliege. Als ob die eine Chance hätte, das Auto zu stehlen. Dumme, dumme Fliege. Sorry an alle Fliegen. Ich möchte hier keine Fliegenklischees aufbauen, aber dieses Exemplar war dann ja echt nicht die hellste Fliege auf dem fliegenfangenden Klebestreifen. Selbst, wenn sie das Auto nicht klauen wollte, zeigt sich, dass sie eine dumme Fliege ist, weil, jetzt mal ehrlich: Wer verirrt sich denn schon so seltsam?
Ein paar Minuten später kommt der Mann mit einem jungen Mädchen zurück. Sie hat eine Schultasche bei sich und die beiden wirken sich vertraut. Sie steigen in das Auto und fahren weg. Übrigens wieder extrem laut. Das Mädchen ist zu 99,9999% seine Tochter, die gerade von der Schule kommt, aber es soll dramatisch wirken! Außerdem weiß ich ja nicht, ob sie seine Tochter ist & ob sie wirklich aus der Schule kommt! Vielleicht war sie ja auch zufällig mit der Schultasche spazieren, während der Unterricht der Grundschule beendet ist! Und vor allem: Wer holt seine Tochter schon mit so einem Auto von der Schule ab?

Das Gebrumme des Porsches wird leiser und leiser. Ob die nächste Person ihr Kind mit einem Privatjet abholt? Vielleicht würde die Alarmanlage angehen, weil sich ein Pferd darin verirrt hat. Wer weiß das schon.

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