Katastrophengeschichten: Warum wir den Saft im Supermarkt bezahlen sollten

(Ironie an) Der Ich-Erzähler des folgenden fiktiven Textes ist ein Mann, Anfang 40, hat dunkle Haare und ein blaues Auto! Das ist eigentlich egal, aber wehe (!) jemand kommt auf die Idee, sich eine andere Figur dabei zu denken! Das ist und muss so! Ich lasse meinen Leser*innen doch keinen Interpretationsspielraum…! Mann, Anfang 40, hat dunkle Haare und ein blaues Auto! Kapiert?! (Ironie aus)

Ich steige wieder aus dem Wagen aus. Ich habe vergessen den Saft zu bezahlen. Es war niemandem aufgefallen. Sonst wäre ich schließlich gar nicht, mit dem nicht bezahlten Saft, ins Auto gestiegen. Ich könnte auch einfach wegfahren, aber das geht nicht. Ich würde wieder ins Auto steigen und losfahren. Die Ampel an der nächsten Kreuzung würde auf rot stehen. Ich würde ins Grübeln kommen und überlegen, ob es okay ist mit einem ungewollt geklautem Saft nach Hause zu fahren. Die Ampel würde grün werden, aber weil ich so in Gedanken wäre, würde ich vergessen loszufahren. Der Mann hinter mir, Mitte 40, im Anzug, würde sich aufregen und hupen, weil er unpünktlich zu seinem „ach-so-wichtigen“ Geschäftstermin kommen würde. Ich würde verdutzt in den Rückspiegel gucken und wenn mir dann wieder einfallen würde, dass ich gerade vor einer grünen Ampel stehe und losfahren sollte, dann würde die Ampel wieder auf rot schalten. Damit dürfte ich dann noch länger an der Ampel stehen und ich würde darüber nachdenken, wo der Mann im Auto hinter mir wohl arbeitet und welche wichtigen Geschäfte er heute erledigen muss. Vor allem würde ich mich fragen, was passieren würde, wenn er nun wegen mir zu spät zu seinem Termin kommen würde. Dann würde die Ampel wieder auf grün schalten. Ich würde losfahren. Neben mir würde gerade eine Frau mit einem Sixpack Orangensaft ins Auto steigen. Ich würde auf den Saft starren und mir würde einfallen, dass ich ja auch Saft im Auto habe, der gar nicht bezahlt ist. Dann würde ich mich fragen, ob die Frau den Saft wohl bezahlt hat. Ich würde mich im Vorbeifahren kurzzeitig so sehr auf die Saftflaschen konzentrieren, dass ich den Zebrastreifen vor mir nicht beachten würde. Ein Kind würde auf die Straße laufen und ich würde gerade noch bremsen können. Auch der Mann im Anzug,hinter mir, müsste eine Vollbremsung hinlegen. Und die Frau hinter ihm, die ebenfalls. Und der Mann hinter ihr auch. Und die Frau hinter ihm, die, die müsste auch bremsen und würde sich ihren Kaffee-to-go über die Beine und ins Auto kippen, weil die Halterung im Auto nicht für Kaffee in Kombination mit Vollbremsungen geeignet wäre. Daraufhin würde ihr Mann wahrscheinlich fürchterlich sauer sein, weil es sich um einen Firmenwagen handeln würde. Die Mutter des Kindes, das ich fast überfahren haben würde, würde panisch rumschreien und man würde ihre schrecklich gelben Zähne sehen können. Ich würde aussteigen und mich stotternd bei ihr entschuldigen. Dann würde ihr auffallen, dass wir uns vor 3 Jahren bei einer Bekannten meiner Schwester kennengelernt hatten und dass sie mir ihre Telefonnummer gegeben hatte und ich sie nie angerufen hatte, weil ich wusste, dass sie ein Kind hat und ich Kinder nicht leiden kann, und weil sie so schrecklich gelbe Zähne hat. Trotzdem würde es  mir immer noch Leid tun, dass ich das Kind fast überfahren hätte (wenn auch ein bisschen weniger als vorher) und würde sagen, dass ich ihre Nummer verloren hätte. Daraufhin würde sie fast vergessen, dass ich das Leben ihres Kindes beinahe beendet hätte und sie würde mir erneut ihre Nummer geben. Das wiederum würde für mich ein Beweis sein, dass sie wirklich Interesse an mir hatte und sie keinen Verdacht schöpft, dass ich ihre Nummer gar nicht verloren hatte, sondern nur keine Lust hatte, sie wieder anzurufen. Der Mann im Anzug hinter mir würde langsam panisch werden, da er die ganze Zeit auf der Straße stehen bleiben müsste und deshalb würde ich mich verabschieden, dem Kind sagen, dass es zur Beruhigung vielleicht einen Saft mit der Mutter trinken gehen sollte, und wieder ins Auto steigen. In diesem Moment würde mir die Sache mit dem Saft wieder in den Sinn kommen und ich würde losfahren und überlegen umzudrehen. Dann würde ich auf die Uhr im Auto blicken und mir würde bewusst werden, dass in wenigen Minuten meine Lieblingsserie beginnt. Ich würde mich entscheiden weiter zu fahren und mir überlegen, dass ich den Saft trinken könnte, während ich meine Lieblingsserie gucke und dann die Saftflaschen in die Mülltonne schmeißen könnte. Außerdem könnte mir dann – von 3 Litern Saft- schlecht werden und ich müsste mich übergeben. Damit würde mir niemand nachweisen können, dass ich Saft hatte, der nicht bezahlt worden war. Mit diesem Plan würde ich mich beruhigen. Ich würde nach Hause fahren, den Saft vorsichtig aus dem Auto ausladen, sodass es auch ja keiner sehen könnte, und ins Haus gehen. Ich würde den Saft kurz auf den Fußboden stellen müssen, um die Haustür zu öffnen und vor der Wohnungstür müsste ich nochmal das gleiche machen. Und vielleicht auch nochmal vor dem Aufzug, falls ich nicht laufen wollen würde. Aber das würde alles kein Problem sein, solange ich im Aufzug nicht dem Mann aus der ersten Etage begegnen würde und er mich fragen würde, was ich als Alleinstehender mit drei Litern Saft wolle. Ich würde mich lieber fürs Treppenhaus entscheiden. Der Saft und ich, wir würden unbeschadet in der Wohnung ankommen. Dann würde ich den Fernseher einschalten, meine Lieblingssendung schauen und drei Liter Saft herunterwürgen. Kurz bevor mir schlecht werden würde, würde ich die Saftflaschen unten in den Container schmeißen. Dabei müsste ich natürlich wieder darauf achten, von niemandem gesehen zu werden. Auf dem Weg zurück nach oben würde ich den Aufzug nehmen, weil sich langsam ein Gefühl von Übelkeit einstellen würde. Die Frau, die ganz oben im Wohnhaus wohnt, würde mich fragen, ob alles okay ist, da ich so blass sei. Ich würde nicken und in meiner Wohnung angekommen, würde ich schnell zum Klo rennen, um mich zu übergeben. Ich gehe zurück ins Geschäft und bezahle den Saft. Ich glaube, es ist besser so.

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