Aber vorwärts geht nicht! Wirklich nicht!

„Da ist keine Haltestelle!“, rufen sie Dir zu. „Da kommt niemand, der Dich mitnimmt. Weder ein Zug, noch ein Bus, noch irgendein Taxifahrer. Du musst weiter vorwärts laufen! Sonst wirst Du ewig da stehen bleiben!“                             Du atmest ein. Ewig da stehen? Vorwärts laufen? Du atmest aus.

IMGP7340Ich komm nach! Ich weiß ja in welche Richtung ihr gegangen seid! Ich komm euch nach! Ganz bestimmt!“, sagst Du, obwohl Du weißt, dass das gelogen ist. 

Du hast schon so dermaßen die Orientierung verloren. Du bemühst Dich nicht mal ihnen nach zu sehen. Erst als selbst ihre Schatten verschwunden sind, traust Du dich den Blick zu heben. Du wirst nicht nachkommen. Du wirst stehen bleiben und hoffen, dass es Wunder gibt und dass Dich irgendwann, irgendwer genau da abholt, wo Du stehst. Mit einem Fahrzeug oder am besten mit einem Gerät, das Dich einfach woanders hinbeamt. Aber Du weißt, dass Deine Erwartungen enttäuscht werden, weil Menschen Dich nicht abholen können, wenn Du nicht mal den Schritt vorwärts Richtung Auto wagen würdest. Obwohl Du Dich ja bewegen kannst. Du bist nicht gelähmt, nicht eingefroren, nicht erstarrt. „Aber vorwärts geht nicht!“, sagst Du. „Wirklich nicht!“
Du kannst auf der Stelle gehen. Sehr gut sogar. Wie im Sportunterricht. Auf dem Turnhallenfußboden, den seit Wochen kein Mensch mehr geputzt hat. Du kannst Dich ja bewegen. Du bist nicht gelähmt, nicht eingefroren, nicht erstarrt. „Aber vorwärts geht nicht!“, sagst Du. „Wirklich nicht!“
Du kannst Dich auf den Boden legen und Dich im Dreck wälzen. Auf dem Boden der Tatsachen. Du kannst wieder aufstehen und all den Schmutz von Deiner Kleidung wischen. Du kannst Dich ja bewegen. Du bist nicht gelähmt, nicht eingefroren, nicht erstarrt. „Aber vorwärts geht nicht!“, sagst Du. „Wirklich nicht!“                  
Du kannst schnipsen und hast ein rosefarbenes Kleid an. Und dann kannst Du tanzen – immer im Kreis. Wie die schöne Ballerina in der Spieluhr. Du bist talentiert. Wenn Dich jemand sehen könnte. Den Menschen würde es gefallen. Du kannst Dich ja bewegen. Du bist nicht gelähmt, nicht eingefroren, nicht erstarrt. „Aber vorwärts geht nicht!“, sagst Du. „Wirklich nicht!“

Vielleicht könnte ja jemand mit einem Auto vorbeikommen und der parkt dann so, dass ich rückwärts einsteigen kann?!“, denkst Du, obwohl Du eigentlich schon weißt, dass Du keinen Deppen findest, der das macht.

Und wenn ich rückwärts vorwärts laufe bzw. rückwärts, aber in die richtige Richtung? So wie Pippi Langstrumpf? Dann komm ich vorwärts, aber ich muss nicht vorwärts gehen!“, denkst Du, obwohl Du eigentlich schon weißt, dass du nur unnötig gegen irgendwelche Bäume laufen würdest, weil Du ja hinten keine Augen hast.

Du entscheidest Dich stehen zu bleiben. Vielleicht nicht für immer. Aber jetzt gerade. Weil vorwärts gerade eben wirklich nicht geht.
Hole ich die anderen noch ein, wenn ich loslaufe?“, fragst Du. Nein, wahrscheinlich nicht. Das käme natürlich auch darauf an, wann du losläufst. Und wie schnell du läufst. Aber, wenn Du zu schnell läufst, dann würdest Du all das schöne auf dem Weg verpassen. Ist es das wert? Und mal ehrlich: Willst du wirklich von 0 auf 100? Erst rumstehen, nicht einmal den Fuß vorwärts bewegen und dann gleich schnell laufen? Du hast doch gar keine Kondition?!

Musst Du sie überhaupt einholen? Kannst Du nicht auch loslaufen und ganz woanders ankommen? Musst Du da ankommen, wo sie ankommen? Die Hauptsache ist, dass du irgendwann losläufst, weil abholen, wird Dich niemand. Schließlich ist da keine Haltestelle. Denn Du kannst Dich ja bewegen. Du bist nicht gelähmt, nicht eingefroren, nicht erstarrt. Für immer stehen bleiben geht nicht! Wirklich nicht!

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Aber vorwärts geht nicht! Wirklich nicht!

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